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( Foto folgt)
Berthold Fourné

BERTHOLD FOURNÉ IM INTERNET >>



Essen, schlucken, Zahnspange
Ein Gespräch mit dem Kieferorthopäden Dr. Fourné, Marktoberdorf


Können Sie sich für diejenigen, die Sie nicht kennen, kurz vorstellen?

Mein Name ist Berthold Fourné. Ich bin 45 Jahre alt und Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und Oralchirurgie. Ich komme ursprünglich aus dem schönen Rheinland, aus Köln und habe jetzt mit zwei anderen Kieferorthopäden eine Praxis hier in Marktoberdorf.

Ab welchem Alter werden Patienten bei Ihnen behandelt?
Es gibt bei uns Patienten in jedem Alter. Das beginnt im Säuglingsalter bei beispielsweise einem stark verkürzten Zungenbändchen und setzt sich fort im Grundschul- und Jungendalter.  Es kommen aber natürlich auch Erwachsene zur kieferorthopädischen Behandlung. Bei den Erwachsenen handelt es sich meist um funktionelle und/oder kosmetische Beweggründe, die zu einer Behandlung führen.

Viele Eltern sind überrascht, wenn sie vor der kieferorthopädischen Behandlung erst einmal zur Logopädie geschickt werden. Die Zusammenhänge hören sie bei Ihnen in der Praxis das erste Mal, oder?
Das stimmt. Die Zusammenhänge sind vielen Eltern nicht bewusst. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der  Logopädie und der Kieferorthopädie ist meiner Meinung nach heute nicht mehr wegzudenken. Durch eine Fehlfunktion der Zunge, kann es zu Zahnfehlstellungen und Kieferverformungen kommen. Bei einer Zungenfehlfunktion muss also logopädisch therapiert werden, um nach der kieferorthopädischen Behandlung keine Rückbildung des korrigierten Zahnstandes zu erhalten.

Für jeden Laien ist es unvorstellbar, dass die Zunge so viel Kraft hat, den Kiefer zu verformen und die Zahnstellung zu beeinflussen. Wie erklären Sie das als Kieferorthopäde?
Ich lasse die Eltern meistens erst einmal selber schlucken und beobachten, dass die Zunge beim Schlucken normalerweise an den Gaumen geht. Bei einer Zungenfehlfunktion drückt sie stattdessen gegen die Zahnreihen. Man kann dies gut zeigen und erklären.

Wie erklären Sie sich, dass gerade eine falsche Zungenruhelage so häufig vorkommt. Ein aufmerksamer Blick am Spielplatz und jedem wird bestätigt, dass es viele, viele Kinder gibt, die den Mund permanent offen haben … Kommt dies häufiger vor als früher?
Es ist die Frage, ob es das häufiger als früher gibt, oder ob darauf früher nicht so viel geachtet wurde. Diese Frage ist schwierig zu beantworten.
Ein Faktor, der die falsche Zungenruhelage beeinflussen könnte, ist heutzutage sicherlich der Gebrauch bzw. der zu lange Gebrauch des Schnullers. Aber auch die immer weicher werdende Kost, denken Sie nur mal an das ganze Fast Food und die weichen Süßigkeiten. Auch die nicht mehr so strengen erzieherischen Maßnahmen der Eltern könnten hier eine Rolle spielen.





Was könnte man prophylaktisch schon von klein an unternehmen, um einer Kieferfehlstellung vorzubeugen?

Ich denke bei der Frage was man prophylaktisch machen kann, spielen mehrere Faktoren mit. Erstmal ist die ausgewogene Ernährung wichtig. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch, wie begleiten die Eltern das Kind beim Heranwachsen. Welche Regeln geben sie vor. Eltern sollten außerdem frühzeitig beim Kieferorthopäden nachfragen, ob bei der Kieferentwicklung alles so ist wie es sein sollte, oder ob man jetzt schon kieferorthopädisch etwas unternehmen sollte. Viele Eltern haben vielleicht das Problem, dass sie sagen, warum soll ich so früh schon was machen? Aber häufig erspart man sich mit einem frühzeitigen Behandlungsbeginn viel Zeit und Behandlungsaufwand.

Gerade wenn man sich das Wachstum von Kindern anschaut, sieht man, dass der Wachstumsprozess sehr individuell abläuft. Deshalb muss man bei jedem Kind, das zur kieferorthopädischen Behandlung kommt, auch individuell schauen, was man schon machen kann beziehungsweise wann der beste Zeitpunkt ist, damit anzufangen. Ich würde tendenziell immer sagen, lieber zu früh mit der kieferorthopädischen Behandlung beginnen, als zu spät und dann eventuell sehr langwierig. Früher waren kieferorthopädische Behandlungen zu lange. Das ist heute Gott sei Dank nicht mehr so. Es gibt moderne Materialien. Heute versucht man das was es braucht dem Wachstum angepasst zu machen.

Wie lange dauert so eine kieferorthopädische Behandlung durchschnittlich?
Die komplette Behandlungsdauer richtet sich stark nach der individuellen Diagnose des Patienten. Heute beginnt man meist früh mit der Behandlung. Behandelt dann erst einmal ca. 18 Monate und beobachtet, ob zu einem späteren Zeitpunkt eine Fortsetzung der Behandlung notwendig ist.

Wie stellen Sie sich die weitere Zusammenarbeit zwischen Logopäden und Kieferorthopäden vor?
Es ist immer so, dass entweder der Logopäde oder der Kieferorthopäde den Patienten als erstes sieht. Derjenige, der den Erstkontakt hat, muss den Anstoß zur weiteren Beratung geben. Manchmal reicht eine kurze Kontrolle, um zu sagen, kommen Sie in zwei Jahren wieder, dann können wir nochmal schauen. Außerdem ist im Laufe der Behandlung ein Feedback für mich als Kieferorthopäde wichtig, aber das macht Ihr in der Logopädie ja mit Euren Berichten. Es kann dadurch abgesprochen werden, ob noch weitere Therapieeinheiten notwendig sind. Außerdem kann der Behandlungserfolg nach einer Pause überprüft werden.

Ich hab jetzt nochmal eine Frage zu den allgemeinen Zusammenhängen: also meine Erfahrung ist, dass die Hypotonie in der unteren Gesichtsmuskulatur bei den Kindern zunimmt.
Ja das würde auch dazu passen, dass die Kinder grundsätzlich alle etwas immobiler dadurch werden, dass sie im Durchschnitt weniger Sport machen. In verschiedenen Untersuchungen zum Gewicht von Kindern kam es zu dem Ergebnis, dass vor allem die Kinder, die in der Stadt leben, erheblich zunehmen und immobiler werden. Dies hat natürlich nicht nur damit zu tun, dass sich die Kinder zu wenig bewegen,  sondern auch damit, dass sie sich falsch ernähren.

Die Haltung und die Ganzkörperspannung haben natürlich auch etwas mit der Spannung im Mundbereich zu tun und wenn ich im Allgemeinen schlaff bin, dann ist natürlich die Partie auch schwach und die Zunge als Muskel auch mit. Sie geht dann den bequemeren Weg und liegt beispielsweise einfach unten im Mund.
Ich glaub „der bequemere Weg“ ist das richtige Wort. So wie sie natürlich körperlich den bequemeren Weg gehen, gehen sie natürlich bei der Gesichtsmuskulatur, ein Faktor der körperlichen Muskulatur, auch den bequemeren Weg. Dadurch kann es zum Beispiel dazu kommen, dass zu wenig Muskulatur im Mundbereich vorhanden ist und somit falsch geschluckt wird oder die Zungenruhelage nicht korrekt ist.


Im fachlichen Austausch: Sabrina Rolf, Britta Ortmann und Dr. Berthold Fourné


Würden Sie als Kieferorthopäde auch ganz platt diesen Satz „Bewegung ist ganz wichtig“ unterstreichen?
Ja! Bewegung ist ja in allen Bereichen wichtig. Wie wir gerade schon gesagt haben, wenn die Muskulatur im ganzen Körper geschwächt ist, dann ist natürlich auch die Gesichtsmuskulatur geschwächt. Bewegung, Ernährung und ein gutes soziales Umfeld sind die wichtigsten Faktoren. Wenn das vorhanden ist, wird den Kindern ja auch meist Therapie ermöglicht.

Ja weil mit Sicherheit die Dunkelziffer da ist. Und es bestimmt welche gibt, die eigentlich zur Logopädie kommen sollten und sich aber sagen, das schenk ich mir.
Ja. Ich mache häufig auch die Erfahrung, dass der Empfehlung vom Arzt nicht nachgegangen wird. Dann müssen wir da einfach dran bleiben, nochmal nachhaken und auf die Wichtigkeit aufmerksam machen.

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