HOME
AKTUELL
   


PRAXISRÄUME IN UNTERTHINGAU

PHILOSOPHIE
TEAM
KOSTEN
PRAXISRÄUME
LRS-THERAPIE
NEUROLOGOPÄDIE
STÖRUNGSBILDER
VORTRÄGE
IN DER
HEBAMMENPRAXIS

FÜR DEN
KINDERGARTEN
AKTIONSTAG
LESEZEICHEN
ZWEISPRACHIGKEIT
NEU INTERVIEW
STIMMBILDUNG
AUSSTATTUNG
NETZWERK FÜR KINDER
FORTBILDUNGEN
ALLGÄU

NEWSLETTER
"LOGOPÄDIE AKTUELL"

NEU PRESSE

ANMELDUNG
KONTAKT
LAGEPLAN
IMPRESSUM
LINKS

V O R T R A GZ W E I S P R A C H I G K E I T




Sebnem Kreutzmann ist akademische Sprachtherapeutin. Als Kind türkischer Eltern ist sie in Bremen aufgewachsen und hat an der LMU (Ludwig-Maximilians-Universität) in München Sprachheilpädagogik studiert. Nach Stationen in Dresden und Frankfurt ist sie nach München zurückgekehrt, wo sie an der LMU seit 2007 an ihrer Dissertation arbeitet. Seit 2008 ist sie Lehrbeauftragte der LMU München zur kultursensitiven Sprachtherapie.
Sebnem Kreutzmann ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.


SEBNEM KREUTZMANN IM INTERNET >>


Foto vom Vortrag am 28.10.2011

Sebnem Kreutzmann kommt am 28.10.2011 zu einem Vortag nach Marktoberdorf. Claudia Wachsmann konnte Sie schon vorher sprechen.

Herausforderung Zweisprachigkeit


CW: Sie sind zweisprachig aufgewachsen, als Kind türkischer Eltern.
SK: Ja, genau. Ich war ein richtiges Gastarbeiterkind.

CW: Sie sprechen ohne jeden Akzent Deutsch. Der Zweitspracherwerb ist perfekt geglückt!
SK: Ja, ich spreche sozusagen Hochdeutsch.

CW: Was war für Sie aus heutiger Sicht der wichtigste Faktor, Deutsch als Zweitsprache so gut zu lernen.
SK: Ich habe erst mit drei Jahren begonnen Deutsch zu lernen. Vorher habe ich nur Türkisch gesprochen. Im Kindergarten und in der Schule ist nie Druck gemacht worden. Wenn man mich mit fünf Jahren getestet hätte und meinen Weg festgelegt hätte, hätte mich niemand in einer gymnasialen Schullaufbahn gesehen. Man hat mir Zeit gelassen. Im Prinzip war während der gesamten Zeit im Kindergarten und in der Grundschule für mich die Zeit, mir das Deutsche anzueignen. Das Lesen hat für mich eine besondere Bedeutung gehabt. Ich hatte eine große Lesefreude entwickelt. Ich habe unglaublich viel gelesen und meine, das hat mir die deutsche Sprache ganz nahe gebracht. Mittlerweile ist es so, dass mein Mann (Muttersprache Deutsch) mir seine Texte zum Korrektur lesen gibt.

CW: Sehen Sie den Dialekt auch als eine Art Zweisprachigkeit an?
SK:Ja! Auch beim Dialekt gilt das gleiche wie für die Zweisprachigkeit. Für die Kinder und die Familien ist die Zweisprachigkeit immer eine große Bereicherung. Die Sprache vermittelt so viel von uns: Emotionen, Werte, Traditionen. Schimpfen kann man nur in seiner Muttersprache. Das wird mir ganz oft erzählt. Ich rate immer zu einem freudigen Umgang mit mehreren Sprachen. Viele Eltern machen sich zu viele Sorgen. Es ist toll, wenn Kinder mit mehreren Sprachen aufwachsen können und in den allermeisten Fällen profitieren die Kinder davon. Das gilt also auch für den Dialekt. Er ist eine Bereicherung!

CW: Raten Sie auch zu Mehrsprachigkeit bei Sprachentwicklungsstörungen?
SK: Es ist wichtig, den Eltern deutlich zu machen, dass ihr Kind die Schwierigkeiten beim Spracherwerb nicht wegen der zwei Sprachen hat. Die gleichen Schwierigkeiten würden auch auftreten, wenn das Kind nur mit einer Sprache umgeben wäre. Es gibt hier immer noch großen Aufklärungsbedarf.



CW: Für alle Therapeuten ist die Zweisprachigkeit eine enorme Herausforderung. Denn die Kinder sprechen als Muttersprache solche Sprachen, die wir nicht können, nämlich Türkisch, Kroatisch, Russisch, Vietnamesisch usw. Sie setzen sich für eine Diagnostik in der Muttersprache ein. Wir können das nicht leisten.
SK: Ja, dennoch wäre die Diagnostik in der Muttersprache enorm wichtig. Es könnte auch eine Einschätzung eines Nicht-Logopäden, z.B. eines Lehrers sein, der diese Sprache beurteilen kann. In der Regel sind wir aber vielfach noch auf die Aussage der Eltern angewiesen.

CW: Wäre eine Therapie in der Muttersprache sinnvoll?
SK: Natürlich, aber da genau sind unsere Grenzen. Wichtig ist es, sich das System der Muttersprache unserer Patienten anzuschauen. Also nicht die Sprache zu lernen, sondern den grundsätzlichen Aufbau der Sprache zu wissen: gibt es Artikel, wie ist der Satzbau, die Stellung des Verbs, etc. Die Kinder übertragen oft die Regeln ihrer Muttersprache in die zweite Sprache. Als Therapeut muss man das erkennen um das Kind besser einschätzen zu können. Für therapiebegleitende Förderung in der Muttersprache sollte möglichst jemand aus der Familie angeleitet werden.

CW: Gibt es aus Ihrer Sicht in ausländischen Familien noch andere Gründe, Therapien zu meiden?
SK: Viele u.a. türkische Familien haben Angst, dass es von der Therapie gleich in die Förderschule geht und sie nichts mehr entscheiden können. Man muss verstehen, dass diese Familien tatsächlich andere Systeme gewöhnt sind. Wenn wir in unseren Computer eine Diagnose tippen, muss man eben nicht fürchten, dass es gleich an die Schulbehörde weitergegeben wird. So ist das aber in manchen Ländern. Wir müssen klar machen, dass wir der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen und nichts weitergeben, was die Familie nicht will. Wir müssen Vertrauensarbeit leisten.

CW: Vielen herzlichen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch. Ich freue mich schon auf Ihren Vortrag am 28.10.2011 in Marktoberdorf!

SEITENANFANG


  Praxis für Logopädie | Bahnhofstraße 10 | 87616 Marktoberdorf | Telefon 08342 - 969855 | Telefax 08342 - 896945